17.12.2006 Wieder zu Hause

Am Samstag, den 09.12.06 hatten wir wieder deutschen Boden unter den Fü?en. Leider war es uns bei unserer vierstündigen Zwischenlandung in Teheran nicht möglich, den Flughafen zu verlassen, was sicherlich ein weiteres spannendes Kapitel unserer Reise hätte sein können.

Aber auch so war unser Pakistan-Trip an interessanten Begegnungen und neuen Eindrücken kaum zu überbieten. Die letzten Tage in Lahore hatten es dann aber wirklich noch einmal in sich. So hatte die Heinrich-Bäll-Stiftung dankenswerterweise sehr interessante Interviewpartner für uns arrangiert, die uns die Gelegenheit gaben, die pakistanische Gesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und sehr unterschiedliche Meinungen zu Themen wie Politik oder Geschlechtergleichheit zu hören.

In diesen ganzen zwei Wochen haben wir es dann aber auch geschafft, einen Nachmittag lang frei zu haben und touristisch unterwegs zu sein. Erst standen die Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Hier mussten wir leider schon sehr selektiv vorgehen, denn die Zeit war knapp. Wir gingen in die Altstadt, wo wir das Fort und die Badshahi-Moschee, sowie den Samadhi-Tempel besichtigten. Bilder hiervon werden wir bald zur Verfügung stellen. Anschließend sind wir einkaufen gegangen. Vorbei an unzähligen Schmuckgeschäften, Tuchläden (Nenn ich jetzt mal so, auch wenn ich dann als Banause gelte) und Schuhgeschäften offenbarten alle drei von uns eingesehenen Märkte ein reichhaltiges Angebot. Besonders hervorzuheben ist der berühmte Anarkali-Bazar, wo man sich einer unglaublichen Fülle an unterscheidlichster Ware gegenüber sieht. Das Einzige, was uns hier fehlte, war eindeutig Zeit, um dieses bunte Angebot auch tatsächlich in Augenschein zu nehmen.

Die Tatsache, dass Pakistan touristisch gesehen absolut unerschlossen ist, machte uns gewissermaßen zu Exoten. Nicht selten sorgten wir für Menschentrauben, besonders Kinder waren sehr an uns interessiert. Niemand wurde jedoch aufdringlich, auch dies ist wieder ein Beispiel dafür, auf welch exzellente Gastgeber wir getroffen sind, die uns nie das Gefühl der Unsicherheit gegeben haben.

Am letztenTag stand dann noch einmal ein ganz besonderer Termin auf dem Programm. Nach einer Busfahrt von 1 1/2 Stunden gelangten wir nach Rahwali, wo die Jugendorganisation “Bargad” sich darum bemüht, Jugendliche politisch und gesellschaftlich zu aktivieren. Mit eben diesen jungen Leuten haben wir ingroßer Runde unsere Themen diskutiert. Obwohl nicht alle Englisch sprachen und eine Übersetzerin behilflich war, konnten wir das Feuer und die Energie derJugendlichen spüren, die diese Veranstaltung für mich zum schönsten Erlebnis in Pakistan gemacht haben.

Danach ging es zurück in die Stadt, wo wir eine weitere Diskussion in großer Runde hatten – dieses Mal mit Studenten aus Lahore selbst. Erneut kam eine hitzige Diskussion innerhalb der Jugendlichen auf; zu verschieden waren die Weltanschauungen der Einzelnen. Stark religiöse StudentInnen trafen hier auf sehr moderate, westlich geprägte Jugendliche. Eine Diskussion, wie sie sinnbildlicher für Pakistan nicht sein könnte. Und wir beide mitten drin. Wir waren sehr neugierig auf die Einstellungen der pakistanischen StudentInnen, aber sie nicht minder auf unsere Sicht der Dinge. So entwickelte sich ein dynamischer Austausch, wo beide Seiten – die pakistanische und die deutsche – gleichermaßen vom jeweils Anderen lernen konnten.

Insgesamt war diese Reise eine große Bereicherung, die ich um nichts in der Welt missen möchte und die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Wir haben viel Neues gesehen und erlebt, unglaublich viel gesehen und eine neue Kultur kennen und lieben gelernt. Wir sind auf viele wunderbare Menschen getroffen, die – und ich kann es nicht oft genug wiederholen – perfekte Gastgeber waren.

Um diese Brücke nach Pakistan zu festigen und unsere neuen Freunschaften und Kontakte zu vertiefen, haben wir eine Delegation pakistanischer Studenten für die III.DuEMUN eingeladen. Nun ist es an uns zu zeigen, dass die Fußball-WM kein One-Hit-Wonder war und die Welt noch immer zu Gast bei Freunden ist.

An dieser Stelle möchten wir einigen Leuten danken, die diese Reise zu diesem Erfolg gemacht haben:

  • All unseren Dozenten, die uns bereitwillig freigestellt haben.
  • Pierre und Sandra, die die Vorbereitung mit uns gemeinsam bestritten haben und so wesentlichen Anteil an der Konzeption hatten.
  • Der größte Dank gilt jedoch Dr. Andrea Fleschenberg, die uns dieses Erlebnis erst ermöglicht hat, die Vorbereitungen mit uns bestritten hat und uns an Ihren hervorragenden Kontakten in Pakistan partizipieren ließ. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Aman (Frieden auf Urdu),
Selma und Nils

05.12.2006 DuEMUN-Delegation gewinnt Award in Pakistan

Die LuMUN-Tagung hat am Sonntag geendet – und wie ich zu behaupten wage, mit einem  mehr als fulminanten Abschluss fuer unsere Mini-Delegation. Der Honourable Delegate representing Iran im IAEA Nils Petersen gewann den Award fuer “Outstandind Diplomacy” in seinem Kommittee!

Nach der offiziellen Abschlusszeremonie, die selbst der Gouverneur von Lahore besucht hat, wurde eine kleine Stadtrundfahrt fuer die auslaendischen Delegationen organisiert. Unter anderem sahen wir das Fort von Lahore und die grosse Badshahi-Moschee. Leider bedeutete der letzte Abend auch, dass wir uns auch von unseren Mitdelegierten verabschieden mussten, zumindest von denjenigen, die nicht in LUMS studieren. Aber wir freuen uns auf die Aussicht, einige von ihnen bei unserer dritten DuEMUN im Sommer in Duisburg wieder zu sehen.

Damit konnte dann auch der zweite Teil unserer Reise beginnen: die Experteninterviews. Dank der Hilfe der hiesigen “Heinrich Boell Stiftung” haben wir die Ehre, einige aeusserst interessante Gespraechspartner zu treffen, und mit ihnen ueber Themen wie Pakistans Internationale Politik im Hinblick auf das Nachbarland Anfghanistan, die bevorstehenden Wahlen oder aber Gender Issues im Land zu unterhalten. So haben wir uns mit Journalisten unterhalten, lokale NGOszu ihrer Arbeit befragt, aber auch versucht, mit Leuten auf der Strasse ins Gespraech zu kommen und ihre Sicht zu erfahren.

Das Spannende an Pakistan ist seine Vielfalt. Hier scheinen mehrere Welten nebeneinander zu existieren, sehr deutliche Kontraste bezueglich arm und reich, Analphabeten und hochgebildeten Leuten, Stadt- und Landbevolkerung. Das Schöne ist, dass sich unser Terminplan stuendlich aendert, so dass wir morgens nicht unbedingt wissen, wie der Abend endet. Gestern zum Beispiel, bekamen wir ganz ueberraschend “Audienz” beim hiesigen Honorarkonsul, Herrn Anees ur Rehman, der uns dann ganz spontan noch zu sich nach Hause einlud.

Insgesamt gefaellt es uns von Tag zu Tag immer besser. Alles ist voller Leben, unglaublich laut und hektisch – eben ganz anders. DAs Einizige, womit ich mich immer noch nicht abfinden kann, und was mich von Tag zu Tag immer mehr aufregt, ist die hiesige Rollenverteilung. Ganz haeufig ist es Nils, der angesprochen wird und ich stehe daneben – completely unvisible. Wie war das doch noch gleich: Andere Laender, andere Sitten…

Soweit fuer den Augenblick,

Nils und Selma

28.11.2006 Teilnahme an der LuMUN 2006

In diesem Jahr nehmen getreu dem Motto “DuEMUN goes global” zwei Mitglieder der studentischen DuEMUN Initiative an der Universität Duisburg-Essen an der LuMUN teil. Nils Petersen und Selma Halilovic werden bei der einzigen MUN in Pakistan den Staat Iran vertreten. Nach der Tagung, die vom 29. November bis zum 3. Dezember gehen wird, werden die Beiden im Rahmen des Lernforschungsprojekts einige Interviews führen, die dann in den Forschungsprozess zu multilateralen Verhandlungsprozessen einbezogen werden.

Einen ersten Bericht aus Lahore ließen uns die Beiden heute zukommen:

Sind gut angekommen und haben die ersten beiden Tage genutzt um Kontakte zu knuepfen. An den naechsten vier Tagen, also von Mittwoch bis Sonntag nehmen wir an den MUN hier in Lahore teil. Neben etwa tausend Studenten und Schuelern aus ganz Pakistan werden auch Gaeste aus Portugal, Sambia und Indien teilnehmen. Letztgenannte haben aber erheblich Einreiseschwierigkeiten. Sie kommen offenbar alle aus Delhi was gute fuenf Stunden per Bus von hier entfernt ist.

In der zweiten Woche kuemmern wir uns intensievst um unser Reserch-Programm. Hierfuer hatten wir gestern bereits zwei Termine, einen bei der Boell-Stiftung und einen bei der Aurat-Foundation. Beide Gespraechspartner lassen uns in erheblichem Masse von Ihren Kontakten profitieren, sind aber dennoch bemueht, ein moeglichst grosses Spektrum an Gespraechspartnern abzudecken, um uns ein umfassendes Bild zu ermoeglichen.

Zur Stadt selbst ist zu sagen, dass sie wahnsinnig vielfaeltig ist. Die Kontraste zwischen arm und reich, westlich und konservativ (sofern das ein Antagonismus ist) und modern und regressiv sind teilweise besonders frappierend. Unser Hotel liegt sehr Zentral, was diese Eindruecke eher vertieft, denn jeder Schritt aus dem Hotel wird mit vielen Augen verfolgt. So habe ich heute fuer Aufsehen gesorgt, als ich Selma die Tuer zum Taxi aufhielt. Im Stadtzentrum werde ausschliesslich ich angesprochen, was Selma und ich sehr kontrovers diskutieren, aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.

In dem Vorort, in dem sich die sehr nobele und elitaere Uni befindet hingegen werden wir nicht besonders beachtet, hier ist man den Anblick sicher gewohnt, zudem treten auch die meisten Studenten in westlicher Kleidung auf und auch die Freizeitgestaltung und Umgangsformen sind sehr westlich gepraegt.

Fotos koennen wir leider nicht schicken, obwohl ich da noch mit den Studenten verhandeln werde, die Technisch wirklich auf neuestem Stand sind…

Okay, soviel fuers Erste.
Viele Gruesse aus einer andereren Welt, Selma und Nils

Weitere Informationen zur LuMUN unter www.lumun.org